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gerd_wolter

Gerd Wolter (* 14. Februar 1942 in Braunschweig; † 9. Februar 2019 in München) war ein deutscher Schauspieler, Autor und Kommunalpolitiker (Bündnis 90/Die Grünen). Er war 1984 Deutschlands erstes offen schwul auftretendes Mitglied eines Stadtrats. https://de.wikipedia.org/wiki/Gerd_Wolter_(Politiker)

Wolter wuchs in Frankfurt auf, lebte seit 1964 in München und gründete dort 1972 ein Kinder- und Jugendtheater. Als Autor und mit einem Pressebüro sorgte er für die Öffentlichkeitsarbeit von Schauspiel-Kollegen und Theater, zuletzt vor allem für das Theater Rechts der Isar und seinen zeitweiligen zweiten Spielort Links der Isar.

Von 1984 bis 1990 saß Wolter für die Grünen im Münchener Stadtrat und war Deutschlands erster offen schwul auftretender Kommunalpolitiker in einem Stadtrat. Er war zuständig für Kultur, Schwule und Lesben und war auch Theaterbeirat der Landeshauptstadt München.

In den Auseinandersetzungen um die Reaktionen auf Aids hatte er es mit den Ideen des Maßnahme-Katalogs der CSU zu tun, die von Internierungslagern, Tätowierung, Sauna-Schließungen etc. zuerst vor allem die schwule Szene bedrohten, bald aber (nach zahlreichen Infektionen über Blutkonserven) auch als heterosexuelle Beeinträchtigung des Lebens sichtbar wurden. Von den „seuchenpolitischen Maßnahmen“ blieb dann vor allem die Testung von Beamten-Anwärtern und Prostituierten.

Wolter setzte sich als Behinderten-Bauftragter auch für die Einführung der Niederflur-Trambahnen in München ein.

Er war 1978 Gründer und Herausgeber der alternativen Zeitschrift Fliegenpilz und ab 2003 Herausgeber des Onlineportals gayfliegenpilz.de für Homo-, Bi- und Transsexuelle. Er war 1989 Initiator und Mitbegründer der Rosa Liste in München. https://de.wikipedia.org/wiki/Gerd_Wolter_(Politiker)

… auch im Verein für Sexuelle Gleichberechtigung VSG München war nach den studentisch gestarteten Initiativen Homosexuelle Aktion München HAM und der Homosexuellen AktionsGruppe HAG im Versuch, mit bürgerlichen Rechten durch Angestellte und Professionelle mit einem Polizei-Ausbilder im Hintergrund, gesetzliche Veränderungen herbei zu führen.

Literaturkreis im VSG

mit Gustl Angstmann, Gerd Wolter, Friedl Brehm, Wolfgang Angerer?, Thomas x, und vielen anderen, 1980 beschreibt Gustl Angstmann eine Szene in unserer Haidhauser Wohngemeinschaft in der Balanstraße 11:

Der Literaturkreis des VSG am 9.1.1980 hatte allerdings auf den Matratzen im großen Zimmer stattgefunden, das Treffen hat bei Gustl Angstmann in seinem Buch „Ein ganz normaler Mann“ ein „Protokoll“ bekommen: Seite 60: „Gerd gegen Rolf, mit Gerd für Rolf. Rüdiger liest seine Gedichte: Schwuler liebt Frau, liebt Mann, Ekel, Angst. Erfahrungen, Flucht, Zärtlichkeiten, Berührungen.“

18. März 1984: Bis 1990 sitzt Gerd Wolter als Deutschlands erster offen schwuler Kommunalpolitiker für die Grünen im Münchner Stadtrat. https://forummuenchen.org/lgbtiq-chronik

Seine Arbeit für Behindertenpolitik und als Theaterbeirat könnte in den Unterlagen des Forum Queeres Archiv erschlossen werden, seine Mitwirkung im Projekt Fliegenpilz, einer Literatur-Zeitschrift und seine Internet-Seiten Gayfliegenpilz sind durch Suchmaschinen zu finden. Herausgeber von FORUM GAY BRUNCH, Männerbeschreibungen, und Beiträge in der Buchreihe „Mein heimliches Auge“, ?Mein schwules Auge?

Gerd Wolter musste sich mit vielen Jobs durchschlagen, bevor er Stadtrat wurde, z.B. als Bürobote, bevor er zu Kinder- und Jugendtheater fand, mit Helgard Goerke?

Geboren in Braunschweig, aber in Hessen aufgewachsen, er hatte noch lange ein intensives telefonisches Verhältnis zu seiner Mutter, die in Langen lebte, und fürchterliche Erinnerungen an seinen schon lange toten Vater Fritz, die ihn aber lebenslang hinderten, meinen Vornamen auszusprechen.

Das Theater rechts [und dann mit ihm auch links) der Isar, Hartmut Baum, Dramaturgie, Pressearbeit, Kassen-Mitarbeit und Auftritte: Ein langjähriger Familienbetrieb, Biggi, Stefan, Michael, Barbara,

Sein etwa monatlicher Jour Fixe

mit allen möglichen Ebenen von Künstlern, Kulturreferat und Behinderten-Initiativen, Treffpunkt verschiedenster schillernder Persönlichkeiten bei ihm zu ewigen Nachtrunden bei Kartoffelsalat, Fleischpflanzerln, reichlich Bier und guten Weinen

Nebbich, sein jeweils zweites Wort, wenn er etwas zu erwidern hatte …

Freie Theater und Theaterfestivals, vom Alternativen Jahrmarkt zu Tollwood

Die Aufbruchsstimmung der 1970er Jahre wirkte in neue Organisationen und die alten Strukturen: Freie Theater wirkten aus Garagen, Kellern und auf neuen Theaterfestivals revolutionär neben den bis heute Autoren- und Literatur-orientierten Schauspielhäusern und Komödien, auf der Theresienwiese und im Luitpold-Park, wo Gerd Wolter mit einem eigenen Wohnwagen residierte …

eine Szene der selbstverwalteten Betriebe und Projekte wuchs wie linke Buchläden und Naturkostläden in allen lebendigen Stadtteilen, ein jährlicher Alternativer Jahrmarkt lieferte die Vorlage für das Tollwood-Festival ab 1988. http://tollwood.de

Aidspolitik in München

Gegen den Kreisverwaltungsreferenten Gauweiler und seine dümmlichen urzeitlichen Versuche einer Ordnungspolitik in der CSU, die mit Kennzeichnungen der Erkrankten, Schließung der Saunen und Kontrolle der Prostituierten, Internierungen etc. gab es mehrere Ebenen an Aktionen, wie Wehrt euch! , während die Aidshilfe vor allem auf Beratung und Begleitung setzte, Act up pressewirksam gegen Diskriminierungen in Kliniken, der Medizin und den Resten der Nazi-Orientierung dort kämpfte.

Als Stadtrat arbeitete und schrieb man man damals noch an hohen Papierstapeln an Anfragen, Beschlussvorlagen, Eingaben, und Vorlagen, Auftritte mit Amtskette auf Demonstrationen waren noch ungewöhnlich …

"1984 sind die Grünen in den Stadtrat eingezogen.

Mit sechs Stadträten. Die Zeit bis 1990 war ein Ankommen in der Kommunalpolitik. Aber auch bereits mit einem deutlichen Anspruch auf Gestaltung. 1987 haben wir mit der CSU zusammen Georg Welsch als Kommunalreferenten gewählt. Das war zwar punktuell, aber wir haben deutlich gezeigt, wo wir hinwollen.

Welsch war ein Kopf, der die Grünen zu Beginn auch geprägt hat. So wie Sabine Csampai, die erste Grüne Bürgermeisterin wurde, Gerd Wolter, der erste offen schwule Stadtrat. Oder Joachim Lorenz, der später Umweltreferent wurde. Da sieht man klar und deutlich, dass wir eine gestalterische Idee hatten von dieser Stadt.„ https://www.merkur.de/politik/kommunalwahl-2020-buergermeisterwahl-oberbuergermeister-kandidaten-gruene-zr-12359289.html

Zukunftswerkstatt 1987 mit der Fraktion

1987 moderierten wir von ibu eV zur Halbzeit der Legislatur eine Zukunftswerkstatt mit der Fraktion in Taglaching, wo es vor allem um weitere Projekte gehen sollte, doch geriet der Schwerpunkt schon zu persönlichen Zukünften.

Vor 1984, in den Vorbereitungen zum Wahlkampf, ging es noch um damals utopisch wirkende Ideen wie autofreie Altstadt und zukunftsfähige Verkehrspolitik …

Die Geschichte des GAYFLIEGENPILZ

Ein Abschied: Eine Geschichte über 25 Jahre - von Gerd Wolter (Mai 2003)

In den 60er und 70er Jahren war der Fliegenpilz ein Mysterium. Zusammen mit Hasch, Kaktusblut und LSD war der Fliegenpilz eine merkwürdige und geheimnisvolle Droge. Alte Zeiten irrlichterten durch die Köpfe und Körper der Menschen. Mittelalterliche Rezepte wurden in der U-Bahn gehandelt, der Joint kreiste in kreativen Gruppen.

In dieser berauschenden Zeit gründete ich mit ein paar Hartgesottenen den „Fliegenpilz“. Wir opponierten gegen die eingefahrenen Wagenspuren der Politik und Gesellschaft, der bornierten Bürokratenmaschinerie der Nachkriegszeit. Wir wollten anders sein! Wir wollten im besten Sinne aufklären, informieren. Entsprechend waren auch die ersten Hefte des „Fliegenpilz“, der im Kollektiv hergestellt wurde. Welche Konflikte, welche Arbeit!

Einige Themen: „Das andere Theater“, „Indianer heute“, „Schwule in Bewegung“! Ende der 70er Jahre/Anfang der 80er Jahre war ich an der Gründung der „Grünen“ in München beteiligt. Kurz danach gründete ich den skandalumwitterten „Landesarbeitskreis Homosexueller, Lesben und Transsexueller der Grünen in Bayern“. Später wurde daraus der im Feuer der grünen Kritik gehärtete LAKHUT:

„Landesarbeitskreis der Homosexuellen und Transis der Grünen in Bayern.“ 1984 wurde ich als einer der ersten offen auftretenden schwulen Stadträte in den Münchner Stadtrat gewählt. Ich war für so genannte „Randgruppen“ zuständig: Ausländer, Schwule und Lesben, Behinderte. Und für Kultur. Für Schwule, Behinderte und alternative Theatergruppen habe ich mich besonders eingesetzt.

Schon damals hatte ich eine Sehnsucht nach einer Weiterführung des schönen „FLIEGENPILZ- SCHWULE IN BEWEGUNG“! Jetzt ist es soweit: Die kostenlose, schwule, für alle offene Online-Zeitung www.gayfliegenpilz.de ist geboren! Ein langer Weg! Er hat sich gelohnt! In dem Themenbereich „Erde“ werden Texte zu lesen und wohl auch bald zu hören sein, die das Besondere im Alltäglichen schildern.

In „Schwule Behinderte“ findet ihr schwule Behinderte, aber keine behinderten Schwulen. „coming-out“ steht allen offen, die etwas Derartiges zu berichten haben. „Medien“ befasst sich mit den Freuden und Leiden schwuler Kreativer. Hoffentlich heftig zugehen wird es im Themenkreis „Argumente und Politik“. „Gruppen“ stellen sich selber vor.

Für „Termine“ bitte ich um wichtige, aktuelle Nachrichten von euch aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. „Konfetti“ ist eine Seite der Launen, koketten Kokotten und witzigen, kleinen Unwichtigkeiten. Informiert uns, habt Mut zur Öffentlichkeit un …

Der GAYFLIEGENPILZ wurde im Jahr 2003 von Gerd Wolter gegründet und im Juni 2012 geschlossen.

Erinnerungen

"Nachruf auf den ehemaligen Stadtrat Gerd Wolter

(13.2.2019) Die Landeshauptstadt München trauert um ihren ehemaligen ehrenamtlichen Stadtrat Gerd Wolter, der am 9. Februar 2019 verstorben ist. Gerd Wolter gehörte dem Münchner Stadtrat von 1984 bis 1990 an. Sein politisches Engagement galt insbesondere der Kultur – er war Theaterbeirat der Stadt München – sowie den Belangen Behinderter. Er war der erste offen homosexuell auftretende Kommunalpolitiker Deutschlands. Für seine Verdienste um die Landeshauptstadt München wurde er 1990 mit der Medaille „München leuchtet – Den Freundinnen und Freunden Münchens“ in Silber ausgezeichnet. Die Landeshauptstadt München wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren.“ Rathaus Umschau 13.2.2019, Seite 5 https://ru.muenchen.de/pdf/2019/ru-2019-02-13.pdf

Freundeskreise

Wolfgang Angerer, Friedl Brehm, Wolfgang, Stephan, Barbara, Theater rechts der Isar, Hartmut Baum, Biggi, Manuel K, Ralf Kelbch, manche Grüne, Rosa Liste, Mitarbeitende Kulturreferat, Florian F., Sabine C.,

Fritz Letsch 1985 bis 1990 Mitarbeit in der Münchner Aidshilfe, Beratung und Sterbebegleitung, ab 1984 Mitarbeit beim Stadtrat Gerd Wolter in der ersten Fraktion der Grünen in München und in ärztlichen Fortbildungen und Supervision im Institut für Sexologische Fortbildung ISFM des Psychologen Friedrich Nolte, Direktor: Prof. Dr. Dr. Erwin J. Haeberle San Francisco und Berlin https://de.wikipedia.org/wiki/Erwin_J._Haeberle

1997-1999 am Johannisplatz 16

gerd_wolter.txt · Zuletzt geändert: 2022/10/01 23:55 von fritz